21.1.11

Hören

Weil die Weiterbildung heute überraschend ausfiel mit dem Besten Ehemann spontan schnell noch "Jugend der Moderne" in der Villa Stuck besucht. Ich mag ja Jugendstil und Art Deco. Am liebsten Geschirr, Gläser, Kerzenständer und so Gebrauchsdinge. Und einige Möbel.
Da gibt es auch einiges zu sehen - und daneben noch viele Bilder. (Nur noch bis Sonntag)

Es war ziemlich voll. Und heute ging es dem Besten Ehemann wie mir so oft - das dauerhafte Gemurmel der zahlreichen Besucher, wie Brummen im Hummelstock, hat ihn richtig angestrengt. Erst gestern Abend sprachen wir darüber und er konnte das so gar nicht nachvollziehen:
Chorprobe Montag Abend. 40 Menschen in einem leicht überakustischem Klassenzimmer. Alle reden in gedämpftem Ton miteinander, flüstern, murmeln. Ein Gesaus, Gebraus und Gebrummel in meinen Ohren, meinem Kopf. Über das dauerhafte Grundgeräusch hinweg versucht der Chorleiter Ansagen zu machen, gibt Töne, spielt Klavier, singt vor. Manche zischen jetzt - was keineswegs zu mehr Ruhe führt. Einzelne singen schon mal leise vor sich hin. - Ja, ein undisziplinierter Haufen.
Und es strengt mich an. Es strengt mich über die Maßen an. So sehr, dass mein Stress- und Ärgerpegel nach 20 Minuten im roten Bereich liegt. Im Geist formuliere ich bissige Bemerkungen, mahnende emails, ein verärgertes Statement. Am Ende der Probe verlasse ich fast fluchtartig die Schule.

Dabei: will ich mich an der Gemeinschaft freuen, beim Singen ausspannen und mich sammeln. Habe Lust Neues zu lernen, aber keine damit jede Stunde wieder neu anzufangen, weil ein großer Teil sich nicht mehr erinnert (weil ja nur gequatscht und nicht aktiv und konzentriert mitgearbeitet). Besonders pikant: etwa 20-25% der Chormitglieder sind Lehrer! und die "schwätzen" am ausdauerndsten und mit dem wenigsten Respekt vor ihrem Kollegen Chorleiter. Denn ja, ich finde es eine ausgesprochene Respektlosigkeit, wenn jemand etwas anleitet oder vorträgt einfach ständig mit seinen Nachbarn zu reden.

Ich habe mir jetzt noch drei Chorproben gegeben. Stillhalten und Beobachten. Meinen Ärger sammeln. Wenn sich nichts verändert meiner Verärgerung und meinen Wünschen nach Veränderung in einer noch nicht gewählten Form Ausdruck geben. Und wenn alles so bleibt wie es grade ist vermutlich auch diesen Chor verlassen. Schade. Aber so macht das für mich keinen Sinn mehr.

(Und das war nicht immer so. Irgendwie hat es sich im Laufe des letzten Jahres immer mehr in diese Richtung verschoben und ich wundere mich wirklich, dass ich offenbar die einzige bin, die darunter leidet.)

1 Kommentar:

  1. Hm, wie schade! Letzte Woche war ich in Schwabing und hätte ganz gerne mal eine Abwechslung gehabt, das wäre was gewesen. Leider wusste ich das nicht. Ich sticke auch gerne in Art Deco.

    Was du da berichtest, kann ich sehr gut nachvollziehen! Wenn ich zu einer bestimmten Arbeit komme, die mich auch vergnügen soll, hier - Chor, dann möchte ich auch haben, dass Ruhe ist! Denn sonst kann ich mich wenig konzentrieren und es strengt sehr an. Mir ging das immer so im Beruf, wenn alle ständig "schwätzten" (da war ich froh, dass ich irgendwann ein eigenes Büro bekam) oder, wenn ich ein Konzert besuchen wollte, und die Leute einfach nicht den Mund halten wollen.

    Am Ende hilft da wirklich nur die Konsequenz des Rückzugs. Und außerdem, es ist ganz schön taktlos, was da gegenüber dem Chorleiter an den Tag gelegt wird.

    Ich vermisse schon lange in der Gesellschaft etwas Ruhe, Ausgeglichenheit und auch Respekt den anderen gegenüber.

    Lieben Gruss, Brigitte

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